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Realisierungswettbewerb Gänstorbrücke Ulm/Neu-Ulm

1. Preis

 

mit KLÄHNE BUNG Ingenieure
 

2020


Auftraggeber: Stadt Ulm
Nutzung: Straßen- und Fußgängerbrücke

 

Entwurf

Die Gänstorbrücke in Ulm ist eine von den beiden historisch bedeutenden Donauquerungen in Ulm. Die jetzt bestehende Gänstorbrücke von Ulrich Finsterwalder geplant, stellt ein herausragendes Beispiel für die Ingenieurbaukunst aus den frühen 50iger Jahren dar. Sie ist eine der ersten Spannbetonbrücken Deutschlands.

Sie spiegelt den Geist des „Wirtschaftswunders“, den Glauben an technische Lösungen, Zukunftsvertrauen durch Einsatz neuester Techniken und Materialien wider. Sie ist inzwischen jedoch so baufällig geworden, dass eine Instandsetzung unmöglich ist.

Der Entwurf für die neue Gänstorbrücke nimmt konzeptionelle und formale Elemente der „Finsterwalderbrücke“ auf und übersetzt sie entsprechend den veränderten Anforderungen in einen neuen Entwurf. Wie kann mit dem Verlust umgegangen werden, wie kann eine Erinnerung erhalten werden, wenn das Bauwerk selbst nicht mehr existiert? Ausgehend von dieser Überlegung entwickelte sich der Gedanke, Reminiszenzen an die Vorgängerbauten aufzunehmen und die Spuren der Geschichte nicht zu verwischen. Die prägnante und unglaublich schlanke Figur der „Finsterwalderbrücke“ ist ein hervorstechendes Element des dahinterstehenden „Ingenieurgeistes“.

Neben dem Auto-, Rad- und Fußgängerverkehr wird sie auch eine Straßenbahn aufnehmen können. Die größere Spannweite der neuen Brücke resultiert aus den beidseitigen Uferwegen. Bautechnisch bedingt wird sie aus zwei nebeneinander liegenden Teilen bestehen.

Die neue Brücke sieht einen plastisch ausformulierten und in einem extrem flachen Bogen geführten Stahlhohlkasten vor – ein „zurückhaltender aber sehr eleganter Brückenentwurf“ wie die Jury geurteilt hat. 

Die fein ausformulierten Gestaltungselement dieser Brücke erkennt man bei einem genaueren Blick, wie die leichte Aufweitung zur Brückenmitte durch einen breiteren Gehsteig, das im Verlauf der Brücke veränderliche Geländer oder die plastisch ausformulierte Untersicht, die eine besondere Ausleuchtung im Dunkeln erhält.

Mit diesen Ansätzen, bauliche Relikte, Übernahme der Konstruktionsgedanken und innovativem Ingenieurgeist, wird ein neues Brückenbauwerk geschaffen, das Ort und Geschichte nicht negiert sondern fortschreibt.

Zusammen mit der Entscheidung, die noch vorhandenen Widerlager-/Bastionswände der 1. Gänstorbrücke von 1912 beizubehalten, das bestehende Tragsystem eines eingespannten Rahmens zu übernehmen und die Durchfahrtshöhen für Radfahrer zu verbessern, sind die Rahmenbedingungen für den Entwurf klar definiert.

Die vergrößerten Spannweite und Brückenbreiten, sowie höhere Verkehrslasten erfordern für die elegante Erscheinung mit geringen Bauhöhen am Widerlager einen innovativen Materialeinsatz aus hochwertigem Stahl und Beton.

Mit diesen Ansätzen, bauliche Relikte, Übernahme der Konstruktionsgedanken und innovativem Ingenieurgeist wird ein neues Brückenbauwerk geschaffen, das Ort und Geschichte nicht negiert, sondern fortschreibt.